Warum wir Wut empfinden ...

 

Selbstgerechtigkeit

 

Wenn du deine sexuelle Energie unterdrückst, wirst du wütend. Die ganze Energie, die sich in Sex ausdrücken wollte, wird nun zu Wut. Und es ist allemal besser, sexuell zu sein als wütend. Im Sex findet man zumindest einen Ansatz von Liebe, wohingegen Wut ausschließlich pure Gewalt ist. Wenn jemand seine sexuelle Energie unterdrückt, wird er gewalttätig – entweder gegenüber anderen oder gegenüber sich selbst. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder wird er zum Sadisten und quält andere, oder er wird zum Masochisten und quält sich selbst. Aber irgend jemanden wird er in jedem Fall quälen.

Wusstest du, dass es Soldaten zu allen Zeiten nicht erlaubt war, sexuelle Beziehungen zu haben? Warum? Der Grund ist, dass Soldaten, die sexuelle Beziehungen haben, nicht genügend Wut und Gewalt in sich anhäufen. Wenn sie Sex haben, löst sich etwas in ihnen, sie werden sanfter. Ein sanfter Mensch jedoch kann nicht kämpfen. Wenn man den Soldaten verwehrt, ihre sexuelle Energie auszuleben, macht man sie zu besseren Kämpfern. Man kann es auch so ausdrücken, dass ihre Gewalt eine Art Ersatz für ihre ungelebte sexuelle Energie ist...

 

Ich habe meine sexuellen Sehnsüchte verdrängt, und jetzt merke ich, dass ich oft wütend bin.

Kabir ist ein wunderbarer und äußerst genauer Beobachter. So etwas nenne ich Bewusstheit. Er beobachtet, was in seinem Inneren geschieht, wenn er seine Sexualität unterdrückt. Schon bald merkt er, dass er oft und völlig grundlos wütend und irritiert ist. Er könnte jederzeit wegen Nichtigkeiten einen Streit anzetteln.

Du solltest dir merken, dass man Sex transformieren kann, da es eine natürliche Energie ist. Wut hingegen ist nicht ganz so natürlich, sie ist einen Schritt weiter von der Natur entfernt. Es ist schwierig, Wut zu transformieren. Zuerst muss sie wieder in sexuelle Energie umgewandelt werden, damit etwas geschehen kann. Und das ist meine Aufgabe hier. Dafür werde ich auf der ganzen Welt verurteilt.

Ich versuche, deine Wut in sexuelle Energie zu verwandeln, denn das ist ein erster, notwendiger Schritt. Nur so kann innere Veränderung stattfinden. Zuerst musst du dich von all deinen Perversionen befreien und wieder zu einem natürlichen menschlichen Wesen werden. Um es genau zu sagen: du musst wieder zu einem natürlichen Tier werden, denn nur dann kannst du göttlich werden. Das Tier in dir kann sich in Göttlichkeit verwandeln. Aber dein inneres Tier ist nicht normal, es ist pervers und ziemlich verrückt. Diesen Wahnsinn musst du als erstes ändern. Verwandle deine Wut!

 

Ich habe meine Wut aufgegeben, und nun merke ich, dass ich den ganzen Tag über Gier verspüre.

Er hat also seine Wut unterdrückt – das ist eine logische Handlungsweise. Wenn du deine sexuelle Energie unterdrückst, kommt Wut hoch. Also unterdrückst du die Wut. Kabir ist ein überaus genauer Beobachter. Er sagt: Sobald ich meine Wut unterdrücke, verspüre ich Gier.

Und das stimmt. Wenn du dir die menschliche Geschichte anschaust, findest du dafür unzählige Beweise. Ein Beispiel dafür ist Mahavira, der in Indien Gewaltlosigkeit lehrte. Mit dem Ergebnis, dass Mahaviras Anhänger nun die gierigsten Menschen der Welt sind. Man könnte sie als die Juden Indiens bezeichnen. Die Jainas sind die Juden Indiens. Aber was hat sie so gierig werden lassen?

Mahavira lehrte sie, gewaltlos zu sein. Natürlich haben sie daraufhin begonnen, ihre Wut zu unterdrücken, denn das ist anscheinend für den dummen Verstand die einzige Möglichkeit. Unterdrücke deine Wut! Wende keine Gewalt an! Und sie gaben sich wirklich alle Mühe. Auf jede erdenkliche Art und Weise versuchten sie, gewaltlos zu sein. Das ging sogar soweit, dass sie ihre Landwirtschaft einstellten, denn auch das ist auf eine gewisse Art Gewaltanwendung. Man muss die Pflanzen bei der Ernte aus der Erde herausziehen und das Getreide abschneiden. Und das bedeutet Gewalt gegenüber den Pflanzen, die auch leben. Die Jainas stellten daher den Anbau von Pflanzen gänzlich ein.

Nun können sie nicht zur Armee gehen und keine kshatriyas werden. Wegen ihrer Ideologie von Gewaltlosigkeit können sie keine Soldaten werden, ja nicht einmal Landwirte oder Gärtner. Keine dieser Möglichkeiten kommt in Frage. Natürlich möchten sie auch keine sudras – Unberührbaren – sein und Straßen fegen oder Schuhe flicken. Diese Arbeiten sind für sie zu erniedrigend. Brahmanen können sie auch nicht werden, denn die Brahmanen wachen ziemlich eifersüchtig darüber, niemand Fremden in ihrer Mitte aufzunehmen. Sie sind seit Jahrhunderten an der Macht und als Gruppe unzugänglich. Brahmane kann man ausschließlich durch Geburt werden. Man kann sogar ein großer Gelehrter sein – es spielt keine Rolle. Brahmane kann man trotzdem nicht werden. Es ist unmöglich Brahmane zu werden, wenn man nicht als solcher geboren wurde. Man muss in der Wahl seiner Eltern sehr sorgsam sein, denn das ist die einzige Chance, Brahmane zu werden.

Jainas konnten demnach weder Brahmanen noch Soldaten werden. Und Sudras – Unberührbare – wollten sie auch nicht sein. Was blieb ihnen also anderes übrig, als Geschäfte zu gründen? Sie wurden zu Geschäftsleuten. Und all ihre unterdrückte Wut verwandelte sich in Gier. Sie sind verrückt nach Geld. Mit einer Gesamtzahl von etwa drei Millionen sind die Jainas in Indien eine verschwindend kleine Minderheit. In einem Land von 600 Millionen Menschen ist das ist wirklich nicht viel. Und trotzdem besitzen sie mehr Geld als alle anderen zusammen. Es ist unmöglich, in Indien einen Jaina Bettler zu finden, denn alle Jainas sind sehr wohlhabend.

Mahaviras Wunsch war Gewaltlosigkeit, aber stattdessen wurden seine Anhänger gierig. Wenn du deine Gewalt unterdrückst, erwacht die Gier...

 

Mit größter Mühe habe ich es geschafft, über meiner Gier zu stehen, und nun bin ich stolz auf mich.

Er hat also seine Gier verdrängt, aber mit welchem Ergebnis? Sein Ego wurde enorm aufgebläht, er ist ungemein stolz auf sich selbst. Schaut her! Ich habe meine sexuelle Energie unterdrückt, und meine Wut und meine Gier. All das habe ich geschafft, das ist doch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das –Ich- ist vorrangig geworden, und das Ego stärker.

Das ist genau der Grund, warum die Egos von Mönchen und Nonnen so ausgeprägt sind. Niemand anderes hat ein solch großes Ego. Je mehr natürliche Gefühle man aufgibt und verdrängt, desto ausgeprägter wird das Ego. Inder haben sehr große Egos. Woran liegt das? Auf diese oder jene Weise haben sie versucht, religiös zu werden. Und die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, scheint durch Verdrängen zu sein. Und das ist Nahrung für das Ego.

 

Ein Mensch, der nichts verdrängt, ist ein Mensch ohne Ego.

Das Ego kann in ihm nicht existieren, denn er besitzt nichts, das es nähren könnte. Er ist ein bescheidener, einfacher, ganz gewöhnlicher Mensch. Er erhebt keine Ansprüche, denn er weiß, dass er niemand Besonderes ist. Kabir beschreibt diesen ganzen Prozess sehr schön. Nicht Verdrängung, sondern Veränderung ist der rechte Weg. Unterdrücke absolut nichts. Wenn du sexuelle Energie verspürst, unterdrücke sie nicht. Das würde die Sache nur noch komplizierter machen und ist weitaus schwieriger zu lösen. Wenn du deine Wut nicht auslebst, wird diese Energie zu Gier, was noch schwieriger ist. Und wenn du die Gier unterdrückst, bläht sich dein Ego auf, dein Stolz. Und das Ego loszulassen, ist die größte Herausforderung.

 

Gehe Schritt für Schritt zurück: vom Stolz zur Gier, von der Gier zur Wut, von der Wut zur sexuellen Energie. Wenn du wieder zu einer natürlichen, spontanen Sexualität zurück gefunden hast, dann ist alles ganz einfach.

Du wirst es nicht glauben, wie einfach alles ist. Dann fließt in dir eine natürliche Energie, und die steht einer Veränderung nicht im Wege. Daher sage ich: Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein. Nicht von Wut und Gier oder vom Ego – nein, vom Sex zum kosmischen Bewusstsein.

 

Diese Veränderung kann jedoch nur geschehen, wenn du dich als natürliches Wesen akzeptierst.

Alles Natürliche ist gut. Ja, es geht noch weiter, aber nur, wenn du dich zuerst voll und ganz als natürliches Wesen akzeptierst. Wenn du mit deiner natürlichen Energie Freundschaft schließen kannst, dich ihrer nicht schuldig fühlst. Wenn Schuldgefühle da sind, bedeutet das, dass du unreligiös bist. In der Vergangenheit hat man dir genau das Gegenteil erzählt: Sei schuldbewusst, denn dann bist du ein religiöser Mensch. Ich aber sage dir: So lange du Schuldgefühle nährst, wirst du niemals zu einem religiösen Menschen. Befreie dich von sämtlichen Schuldgefühlen!

Du bist genau so, wie Gott dich erschuf. Du bist genau so, wie die Existenz dich haben möchte. Du hast Sex nicht erschaffen. Er ist ein Geschenk Gottes. Etwas unglaublich Wertvolles liegt in ihm verborgen. – Sex ist wie eine äußere Schale für dein samadhi. Wenn der Same aufgeht und die Schale sprengt, dann kann die Blume erblühen. Aber dies kann nicht geschehen, wenn du verdrängst. Du musst die Kunst des inneren Gärtnerns erlernen. Du musst zum Gärtner werden, der weiß, wie man mit Hilfe von Dünger und Mist Rosen zum Blühen erwecken kann.

Religion ist eine äußerst feinfühlige Kunst.

 

Osho, The Fish in the Sea Is Not Thirsty, Talk #13

 

http://www.osho.com/de/read/featured-articles/emotional-ecology/holier-than-thou

 

„Halt doch endlich mal dein Maul!“

 

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Viele Vorgesetzte haben einen Hang zu Wutausbrüchen.

Betroffene Mitarbeiter sollten die Zornestiraden nicht persönlich nehmen.

Was hilft, ist Humor, Gelassenheit - und Schokolade.

 

Ein Artikel von Dorte Huneke