So machen uns neue Grenzwerte plötzlich krank

"Ob Blutzucker, Blutdruck, Blutfette oder Gewicht: Kaum ein Grenzwert, der die Grenze zwischen gesund und krank(haft) definieren soll, ist heute noch identisch mit den Normwerten vergangener Tage.

Das hat zum einen etwas mit neuen Erkenntnissen aus klinischen Studien zu tun. Zum anderen vermuten Kritiker hier den Einfluss der Pharmaindustrie auf die ärztlichen Fachgesellschaften. „Es gibt oft keine seriösen oder korrekt durchgeführten Studien, die belegen, dass eine solche Normwert-Senkung das Leben verlängert oder vor Erkrankungen schützt“, kritisiert der Heidelberger Arzt Gunter Frank."

  • Blutdruck - Grenzwerte Bis in die 80er-Jahre galt ein Grenzwert von 160/100 mmHg; die meisten Ärzte sahen allerdings bei ihren Patienten in der Regel die Formel „100 plus Lebensalter“ für den oberen (systolischen) Blutwert als akzeptabel an.
  • Blutzucker - Grenzwerte 1980 galt als Diabetiker, wer einen Nüchtern-Blutzucker von 144 Milligramm pro Deziliter Blut aufwies, fünf Jahre später setzte die WHO die Grenze zur Zuckerkrankheit bei 140 mg an. „Heute gilt man schon als Prä-Diabetiker, wenn der Blutzuckerwert 90 mg/dl überschreitet“, sagt Buchautor und Kritiker Frank.
  • Cholesterin - Grenzwerte Als „hoch“ galt früher ein Grenzwert von deutlich über 260 mg/dl. Heute wird Gesunden ohne Herz-oder Gefäßerkrankungen ein Normwert von 190 bis 200 mg/dl geraten – „damit haben plötzlich 70 Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 40 und 60 Jahren einen zu hohen Cholesterinspiegel“, sagt Mediziner Frank.
  • Gewicht - Grenzwerte Früher galt die Faustformel „Körpergröße minus 100“ zur Errechnung des Idealgewichts. Heute zählt der BMI (Body Mass Index) als Normwert.

(Quelle https://www.focus.de/gesundheit/arzt-klinik/werte-wandel-warum-sind-wir-ploetzlich-alle-so-krank_id_4928403.html )