Wer nicht wirbt, der stirbt. Die Kehrseite dieser einfachen Wahrheit ist die Tatsache, dass es
immer mehr Werbung gibt, dass es immer schwieriger wird sein Zielpublikum zu erreichen,
dass die Werbeflut zu Verweigerung und Ablehnungserscheinungen der Konsumenten
führt. Eine Studie von SDI-Research untersucht die Reaktionen und Verhaltensmuster der
Konsumenten, und stellt Wege dar, welche Arten von Information und Werbung trotz
Information- und Advertising-Overkill die Menschen erreichen.
Reaktionen auf den Information-Overkill
Dem Informationsüberfluss durch Angebotsvielfalt und Werbung wird mit unterschiedlichen
Strategien begegnet. Einerseits wird immer mehr Wert darauf gelegt, möglichst keine
wichtige Information zu versäumen, andererseits werden Eindrücke bewusst gefiltert und
ausgeschlossen, um aus diesem "Information Overkill" herauszufinden.
Strategie 1 - Informationsüberfluss wird durch Aufnahmeverweigerung bekämpft
Lieber aufs Klo, als den nächsten Werbeblock sehen. Der Anteil jener, die sich durch die
Informationsüberflutung belastet fühlen, nimmt kontinuierlich zu. Als Konsequenz daraus
werden Informationen konsequent ausgeschaltet.79% fühlen sich durch Informations- und
Werbefülle bedrängt 68% weichen Information und Werbung absichtlich aus (z.B. durch
Zappen bei TV- und Radioprogrammen, Wegwerfen von Werbematerial und
Postsendungen, ohne diese gelesen zu haben) 31% durch absichtliche Reduktion des
Informationskonsums
Strategie 2 - Informationsüberfluss wird mit Informationsvielfalt bekämpft
Doppelt gemoppelt hält besser. Informationen werden immer öfter über mehrere Medien -
sowohl über klassische Medien als auch immer häufiger per Internet - eingeholt. Frage:
"Wenn Sie sich für ein Thema oder ein Produkt interessieren, wie bzw. wo informieren Sie sich?"
95% der Konsumenten verwenden 2 oder mehr Informationskanäle
81% der Konsumenten verwenden 3 oder mehr Informationskanäle
47% der Konsumenten verwenden 4 oder mehr Informationskanäle
Strategie 3 - Informationsüberfluss wird mit Identifizierung beantwortet
I'm loving it - ich liebe es. Information, Werbung als Lebensinhalt und Ziel, als Wirklichkeit in
der man lebt, aufgeht und sich glücklich fühlt - keine Angelegenheit der Werbung allein,
sondern auch ein intellektuelles Phänomen.65% sagen, dass es Werbung gibt, die einfach
gefällt 54% gefällt diese Vielfalt des modernen Lebens 32% sehen im medialen Life-Style
eine willkommene Orientierung
Die Reaktion der Menschen auf die Informations- und Werbeflut ist gespalten: Einerseits
fühlt man sich schnell überlastet, andererseits aber wird sie als durchaus positiver Teil des
modernen Lebens anerkannt. Die Strategie dahinter: Was nicht gesehen wird, ist es nicht
wert gesehen zu werden. Was öffentlich gesehen wird, ist es auch wert beachtet zu
werden. Die gelungene Herstellung von Öffentlichkeit als Zertifizierung von Qualität mit allem
Für und Wider - siehe Dieter Bohlens Verkaufserfolg seiner einschlägigen Lebenserfahrungen.
Werbung - Was behalten wird
Angesichts der Werbungs-Overkills und der bereits sehr ausgeprägt ablehnenden Haltung
weiter Konsumentenkreise, stellt sich die Frage nach Präsentationsformen und Inhalten, die
derlei Widerstände überwinden (oder zumindest umgehen). Eine ganzheitliche Betrachtung
der Werberezeption erfordert mehr als die rein quantitative Messung von kurzfristigen
Reichweiten. Die Frage ist, was positiv aufgenommen, was wird behalten, was umgesetzt
wird.
Die folgenden fünf Regeln bilden die Essenz dessen, was zu den empirisch nachvollziehbaren
Erfolgsfaktoren von Information und Werbung zählt.
Advertisement - erfolgreiche Werbung unterhält
67% jener, die sich vom Werbungs-Overkill bedrängt fühlen, stehen trotzdem Werbung mit
Witz und Unterhaltungswert positiv gegenüber. Positiv behalten wird was unterhält.
Werbung als abwechslungsreiche Unterhaltung im Alltagsrosa der dutzendfachen
Einheitswerbung perfekt gestylter Wohn- und Badezimmer, Körper, Finanzpläne und
Vorstadtgarten-Waschmittel-Idyllen. Werbung, mit der man lachen kann, erzeugt
freundschaftliche Stimmung zu den beworbenen Produkten. Werbung, die unterhält, wird
gerne und länger erinnert. Werbung, die unterhält, wird kommuniziert (siehe Autopoiese).
Adverteasement - erfolgreiche Werbung überrascht
85% nennen langweilige Spots als Hauptgrund für die Vermeidung von Webeblöcken durch
Zappen, oder andere Beschäftigungen zwischendurch. Im Strom der Zeit fällt nur auf, was
gegen den Strom schwimmt. Die Überschwemmung mit Informationen führt zu einer
unbewussten und auch absichtlichen Ausblendung des Gewöhnlichen in Form eines
Mainstream-Musters. Wahrgenommen wird deshalb nur mehr, was außerhalb dieses Musters
steht. Ob Bennettons Plakat-Schocktherapien oder die Mannerschnitten des Terminators,
bemerkt wird zunehmend nur mehr, was außerhalb des zu Erwartenden positioniert ist.
Fraktale Redundanz - erfolgreiche Werbung wiederholt sich (nicht ganz)
31% der Konsumenten finden Werbeschaltungen in Serien in Form von kleinen
abgeschlossenen Stories am einprägsamsten. Wer nach wie vor der Ansicht ist, dass häufige
Wiederholung alleine ausreicht, um Aufmerksamkeit zu erregen, geht an der Realität der
Werberezeption - und an der aktiven Informationsfilterung der Konsumenten - vorbei. Nicht
durch die ständige Wiederholung ein und derselben Botschaft erreicht man das Wohlwollen
der Konsumenten, sondern mit der fraktalen (=selbstähnlichen) Wiederholung der
Botschaften aus unterschiedlichen Perspektiven, vor unterschiedlichen Hintergründen und
über unterschiedliche Kanäle.
Identybility - erfolgreiche Werbung schafft Identifikationsmuster
32% sehen in Werbung und Life-Style Magazinen eine positive Quelle der Informa-tion und
Orientierung. Ja, es gibt sie noch zahlreich - jene Menschen, die sich durchaus mit den
Bildern der Werbung identifizieren können. Aber es sind dieselben Personen, die das Gros
des Werbeangebotes als absolut langweilig und als zuviel befinden. Wer Identifikationen
sucht, findet diese nicht in Pseudo-Alltagsgestalten, die uns langweilig die Vorteile
irgendwelcher Naschereien aufzählen. Es muss aber auch nicht notwendigerweise André
Agassi, Heidi Klum oder Hermann Maier sein.
Autopoiese - für erfolgreiche Werbung werben die Beworbenen
62% reden über Werbung, die ihnen ausnehmend gefällt mit anderen Personen. Die hohe
Schule der Werbung ist jene Kunst, die Beworbenen für sich werben zu lassen. Werbung,
über die man spricht, ist beworbene Werbung. Palmers war so lange erfolgreich, als seine
Werbung noch ein Thema war - und nicht die x-te Wiederholung eines schon längst zum
Mainstream gewordenen Musters. Über Duplos Austauschstudent(in) aus Frankreich spricht
niemand freiwillig. Die Kommunikationskanäle der Autopoiese gehen mit der Zeit. Der
Austausch von Videoclips herausragender Werbespots via E-Mail ist zum Volkssport
geworden. Und eine Werbemethode, die bislang noch niemand erkannt oder genützt hat.
Quelle: http://www.sdi-research.at/aktuell/hintergrund/wie-werbung-wirkt.html